Die vier alten Steinfiguren, die über dem Pausenhof der Bernauer Schule thronen, haben eine bewegte Geschichte hinter sich. Ursprünglich standen sie in München vor der Staatsbibliothek, die von König Ludwig I in Auftrag gegeben wurde. Aber wie kamen sie nach Bernau? Die Originale stehen nämlich bei uns, in München befinden sich nur Kopien!

Wir zitieren im Folgenden aus dem Bibliotheksmagazin (Ausgabe 2/2009):

Bei mehreren Luftangriffen ab März 1943 wurde das Gebäude zu 85% zerstört. Auch der Haupteingang mit der Freitreppe wurde stark beschädigt, ebenso waren die Statuen betroffen, die man daraufhin entfernte und in einem der Innenhöfe abstellte. Von hier aus konnten sie bis zur Mitte der 1960er Jahre den schrittweisen Wiederaufbau der Bayerischen Staatsbibliothek beobachten. Zur 400-Jahrfeier wurde 1958 das sehr puristisch wieder hergestellte Treppenhaus eröffnet. 1966 erfolgte die Einweihung des Erweiterungsbaus. In diesem Jahr wurden auch die vier Steinfiguren auf der Freitreppe wieder aufgestellt.
Allerdings nicht die Originale, sondern Nachbildungen der Münchner Bildhauer Hans Vogel (Thukydides), Elmar Dietz (Homer), Roland von Bohr (Aristoteles) und Karl Krohe (Hippokrates).



Die originalen Figuren hatten sich bereits im Sommer 1965 per Lastwagen nach Bernau
am Chiemsee aufgemacht. Auf Initiative des dortigen Bürgermeisters Dr. Hugo Decker, eines begeisterten Philhellenen, erreichte es die Gemeinde, dass ihr die Figuren überlassen wurden. 


Bürgermeister Dr. Hugo Decker
Foto: Archiv der Bernauer Grundschule

Sie konnte mit dem Freistaat Bayern als Eigentümer einen Dauerleihvertrag abschließen. Transport und Aufstellung erfolgen mit Hilfe des amerikanischen Kommandanten des Rasthauses Bernau, der dafür kostenlos einen Kran der US-Army zur Verfügung stellte.

Zur Eröffnung des neuen Schulhauses im Juli 1965 waren die Figuren bereits aufgestellt, denn beim anschließenden Tag der offenen Tür erklang ein Standkonzert der Bernauer Musikkapelle "vor der Runde der würdigen weisen Griechen-Skulpturen, die auf Sockeln vor einer schönen Baumgruppe endlich ihren verdienten Ruhesitz gefunden hatten". (Chiemgau-Zeitung, 20.7.1965)

    

Auch heute noch thronen sie im Halbrund in einer Gartenanlage der Volksschule von Bernau, vor ihnen eine Wiese mit einem kleinen Weiher. Nach einer fachmännischen Restaurierung im Jahr 1989 haben sie inzwischen etwas Moos angesetzt und tragen jeweils ein Messingschild mit ihrem Namen und einer kurzen Erklärung zur Person. Im Laufe der Zeit mussten sich die Münchner "vier Heiligen Drei Könige" allerdings an die veränderten Witterungsverhältnisse in der unmittelbaren Nähe der bayerischen Berge anpassen und so wurden aus ihnen die "vier Eisheiligen", wie man die in Bernau nennt."

Autorin: Beate Ofczarek
Journalistin, schreibt für die Bayerische Staatsbibliothek

 

 

Fotos: Elvira Chavaroche

W. P.

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