Ein beeindruckender Besuch!
15.04.2015  

Wer spielt denn da im Klassenzimmer von Frau Henz Gitarre? Wer singt denn dort "Schnucki, oh Schnucki, jetz fahr ma nach Kentucky!"?

Sie selbst kann es nicht sein, denn sie sitzt hinten und wippt mit dem Fuß zur Melodie mit, Frau Piendl auch nicht, denn die steht neben der Eingangstür und verfolgt ebenso fasziniert wie die Kinder der Klassen 3a und 3b den Besuch, der da aufspielt! Er spielt so mitreißend, dass die Schülerinnen und Schüler sofort angefangen haben mitzuklatschen.

Doch was man als stiller Beobachter nicht ahnen kann: Der Besucher ist blind!

Im Rahmen des Heimat- und Sachunterrichts haben wir nämlich Besuch von Herrn Gruber, einem Blinden, sowie seiner "BUFDI", einer Teilnehmerin des Bundesfreiwilligendienstes, bekommen.

Herr Gruber erzählt uns gleich am Anfang seine Geschichte:

Er wurde 1957 eingeschult und schon am Ende der zweiten Klasse bekam er Probleme mit der Sehkraft. Während der Sommerferien verlor er dann schnell sein Augenlicht, so dass er bereits als Kind mit dieser unerwarteten Situation klar kommen musste.

Heute kann man ihm diese schlimme Zeit nicht mehr ansehen. Er strahlt eine Lebensfreude aus, die man sogar von Menschen ohne Behinderung nicht so oft zu sehen bekommt. Er reagiert so spontan und schnell und verblüfft uns alle mit seinem Humor und seiner Offenheit.

Durch ihre Fragen bekommen die Kinder auch heraus, dass Herr Gruber verheiratet ist, einen Sohn hat und vor seiner Pensionierung ein Leben lang als Medizinischer Bademeister und Masseur gearbeitet hat. Er nahm sogar schon an den bayerischen Langlaufmeisterschaften teil und fährt gerne Tandem. Beides gelingt ihm, weil er Begleitung dabei bekommt.

Die Kinder wollen auch noch wissen, wie er Farben erkennen kann, so dass er seine Kleidung geschmackvoll wählt, wenn er morgens aufsteht. Herr Gruber holt aus einer großen Kiste ein Farberkennungsgerät hervor, das ihm die Farbe sagt, sobald er es an ein Kleidungsstück hält. Auch eine sprechende Uhr und ein redender Taschenrechner beeindrucken uns.

Ob er einen Blindenhund wolle oder einen habe, wird gefragt. Herr Gruber verneint. Er sei froh, wenn blinde Menschen einen bekämen, die wirklich einen bräuchten. Er gehöre da nicht dazu, weil er ja seine Frau an seiner Seite habe. Außerdem würde der Hund in seinem Tonstudio im Keller verrückt werden…

Das können wir verstehen. Aber auch nur, wenn es um die Musik geht. Wenn es um Herrn Gruber geht, so würden wir alle gern noch mehr Zeit mit ihm verbringen. Doch nachdem er uns auch noch demonstriert hat, dass er mit unterschiedlich geformten Spielfiguren „Mensch, ärgere Dich nicht!“ spielen kann, uns erzählt hat, dass die Menschen manchmal Rücksicht auf ihn nähmen, und manchmal eben auch nicht, dass er das Gehen mit dem Stock erst lernen musste, bevor er alleine loslegen durfte, ist die Zeit zu Ende, und wir müssen uns von ihm und Sophie, seiner Begleitung, verabschieden. Zum Schluss bekommen wir dann noch seine wunderbaren Ständchen mit Gitarre und Gesang.

An diesen Besuch werden wir uns noch lange erinnern! Danke fürs Kommen, Sophie und Herr Gruber.

    

     

     

    

  

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